SDR-NETZ

SDR-Netz des DARC:  Bruchlandung  -   fünf Jahre nach dem Start  

Autor/Verfasser: Nils Schiffhauer, DK8OK  
Erschienen im Funk-telegramm.de - 07/19
 

25.000 Euro Mitgliederbeiträge verschleudert / Verein ohne Kompetenz und Interesse

Die rund 25.000 Euro aus seiner Pro-Mitgliedschaft im Jahre 2014 hatte der DARC zu dem zu nutzen versprochen, was er auf seiner Website als ,,Etablierung [sich] eines bundesweiten SDR-Netzwerkes" bezeichnet. Damit wollte er ,,sichtbar beweisen, dass wir [der DARC – DK8OK] moderne Technologien intensiv nutzen und Amateurfunk ein vielseitiges und innovatives Hobby für jeden ist."

Wie weit es mit Innovation und Sichtbarkeit her ist, hatte ich an dieser Stelle vor zwei Jahren als das beschrieben, was es damals schon war: eine vollmundig angekündigte Blamage in jeder Hinsicht. Was zwar den Tatsachen entsprach, aber sofort als ,,Fakenews" verleumdet wurde. Doch die Fakten waren unwiderlegbar:

  • Das gesamte Geld ging für die Hardware drauf, die ohne jegliche Ausschreibung bei einem Vereinskameraden gekauft wurde.
  • Die Software schrieb - da sich innerhalb des DARC offenbar niemand mit entsprechenden Kompetenzen fand - ein Funkamateur, der kein Mitglied des ,,Bundesverbandes" ist.
  • Nur ein Teil der aufwändig unter den ,,über 1.000 Ortsvereinen" gesuchten, optimalen Standorten für die rund 15 Transceiver waren in Betrieb, die Mehrheit davon mit deutlich unter durchschnittlichen Empfangsergebnissen.
  • Obwohl mit großer Fanfare als Transceiver-Netz angekündigt, technisch möglich und genehmigungsrechtlich zumindest geduldet, läuft alles nur auf Empfangsebene.

Das also war Stand der Dinge im Jahre 2017.

Zwei Jahre später ist dieses Leuchtturmprojekt völlig zur lnvestitionsruine verkommen; nur rund ein Drittel der teuren Transceiver ist überhaupt in Betrieb und auch das weiterhin, sämtlich lediglich als reiner Empfänger, sowie an zum Teil sehr bescheidenen Antennen. Eine eigens gegründete Newsgroup zeigt Ham Spirit durch die DARC-übliche Diskriminierung: Als etwa der 1. Vorsitzende des DARC Hilfe erbat, weil er nicht wusste, wie er in sein SDR-Netz kommen sollte, sprang ich ihm zwar umgehend mit einer idiotensicheren Anleitung bei, die jedoch unterdrückt wurde. Denn Hilfe unter Funkamateuren ist dann nicht gefragt, wenn der Rat von Leuten kommt, die zwar wissen, wie es geht, aber die man irgendwie nicht mag.

Hinter den Kulissen sieht es nach allem, was zu hören ist, noch schlimmer aus. Die Pleite begann, als die an sich leistungsfähigen Transceiver dem DARC übergeben und offensichtlich überwiegend unkontrolliert verteilt wurden. Unglücklicherweise waren Betrieb und Name Server ebenfalls beim DARC angesiedelt, der auch dafür zuständig gewesen wäre, die qualifizierten Hinweise des Herstellers zu Aufstellort und Antennen umzusetzen. Die Pleite setzte sich weiter fort, als etwa ein Gerät ausfiel und durch ,,kompetente" Selbstreparatur unrettbar defekt wurde.

Mehr noch: lnteresse und Engagement beim DARC für dieses Leuchtturmprojekt sind längst erloschen. Das Angebot: Alle Originalunterlagen einschließlich der Rechte an dem Projekt dem DARC zur Weiterführung zu übergeben, verlief schon vor gut zwei Jahren mangels dessen Interesses an innovativer Amateurfunktechnik im Sande. Die Funkamateure, die dieses Projekt mit rund 25.000 Euro förderten, hätten es am Besten gleich in das Hotel ,,Stadt Baunatal" gesteckt, das, anders als der Amateurfunk, beim DARC höchste Aufmerksamkeit zu genießen scheint.

Wie man mit Kompetenz und Engagement ein innovatives SDR-Netz aufbaut, das hat etwa András Retzler, HA7ILM, mit seinem Projekt https://sdr.hu/ gezeigt diskriminierungsfrei für jeden, preiswert, weltweit verteilt mit weit über 400 SDRs, innovativ mit u.a. Peilfunktion – und erst recht ohne jeden Rückenwind von irgendeinem Verein. Übrigens hört die interessierte Öffentlichkeit auch von weiteren Projekten wenig, die durch einen Extra-Beitrag mancher DARC-Mitglieder finanziert wurden. So blieben Presseanfragen beispielsweise zum Projekt ,,Rauschmessung" ebenfalls unbeantwortet. Geld, jedenfalls, scheint beim ,,Bundesverband" im Überfluss vorhanden. Doch statt es in eine qualifizierte technische Beratung der Mitglieder (Nachfolge Thilo Kootz) oder in tatsächliche innovative Amateurfunkprojekte umzusetzen, erwarten die Funktionäre zumindest für sich einen höheren Nutzen, indem sie es in die Hotellerie stecken.
Nils Schiffhauer, DK8OK

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